Archive für den Monat: Oktober, 2011

Mail von Mama:

„Gefunden wurde das Dokument 2010 bei Renovierungsarbeiten in unserer letzten Wohnung in der DDR in einem Schlitz zwischen Fensterbrett (damals in „eigenleistung“ von uns eingebaut) und Mauerwerk. Gewusst hat außer Opa Joseph von dem Papier niemand etwas. Er hat aber damals gern bei Tapezierarbeiten irgendwelche Botschaften auf der Wand hinterlassen. (Wahrscheinlich gibts in unserem Haus auch so etwas…).

Außerdem habe ich dir noch Briefe von oma und Opa Kastner aus der ersten Zeit herausgesucht.“

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Aus den Erzählungen meiner Eltern (in nicht-chronologischer Reihenfolge)

Aus den Erzählungen meiner Eltern (in nicht-chronologischer Reihenfolge)

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Opa Josephs Arbeitsplatz (bis 1989)

Fotos von 2003 (stillgelegt seit 1991, heute evt. abgerissen):

QUELLE

Rudolf Harlaß (* 31. August 1892 in Kappel bei Chemnitz; † 6. Dezember 1944 in Chemnitz) war ein KPD-Funktionär und antifaschistischer Widerstandskämpfer. (wikipedia)

VEB Gießereikombinat „Rudolf Harlaß“, Karl-Marx-Stadt/ Flender Guß GmbH

Die Chemnitzer Wirtschaft war über ein Jahrhundert durch die Textil- sowie Maschinenbauindustrie geprägt. Besondere Bedeutung erlangten dabei die zahlreich in Chemnitz ansässigen Gießereien. Große Betriebe wie z.B. die ERMAFA, die Wanderer-Werke oder die Sächs. Maschinenfabrik (SMF) verfügten über eigene Gießereien. 1950 wurden die bis dahin noch existierenden Gießereien im VEB Gießereikombinat „Rudolf Harlaß“ zusammengeschlossen. Das fortan als Werk 1 bezeichnete Hauptwerk an der Zwickauer Straße war ursprünglich die Gießerei der Firma Esche. Nach mehrmaligem Eigentümerwechsel wurde das Werk Anfang der 30er Jahre stillgelegt und erst im Zuge der Kriegsproduktion 1941 reaktiviert und zur damals modernsten Gießerei Europas ausgebaut. Nachdem Krieg wurde die Gießerei nach Beseitigung von Kriegsschäden bis 1982 als Werk I des Kombinates betrieben. Das Gelände steht mittlerweile unter Denkmalschutz und ist für die Unterbringung des Chemnitzer Industriemuseums vorgesehen. Ein Gleisanschluß war an den Bf. Karl-Marx-Stadt – Kappel gegeben, auf dem vmtl. eigene Werkloks zum Einsatz kamen. Das Werk II an der Werner-Seelenbinder Straße ging aus den Anlagen der ehemaligen Seidelschen Gießerei hervor und war auf Großguß spezialisiert. Am 31.12.1991 fand hier der letzte Guß statt. Das nunmehr stillgelegte Werk war an die Hauptanschlußbahn des VEB Rohr- und Kaltwalzwerk angeschlossen und wurde von Loks der DR vom Bf. Chemnitz-Süd aus bedient. Die Ausbildungsgießerei des Kombinates befand sich in den Gebäuden der vormaligen Richter´schen Gießerei in der Annaberger Straße. Nach dem letzten Abstich des Kupolofen am 15.7.1987 wurde die Gießerei stillgelegt und dient heute als Domizil des Chemnitzer Industriemuseums.

Nach dem die Qualitäts- und Quantitätsanforderungen der Kunden nicht mehr erfüllt werden konnten, wurde der Neubau einer neuen Graugußgießerei erforderlich. Als Standort wurde der Ort Hartmannsdorf vor den Toren von Chemnitz gewählt. Generalunternehmer für die Errichtung der Werksanlagen war der „VEB RAWEMA“, der auch die beiden ersten Werkloks für die Gießerei beschaffte. 1979 ging der erste Bauabschnitt der Gießerei in Betrieb, der weitere Ausbau war bis 1983 abgeschlossen. Nach der Wende firmierte das Werk ab Mai 1990 unter „Harlaßguß GmbH“, bevor es im Januar 1992 von der im münsterländischen Bocholt ansässigen Firma „A. Friedrich Flender AG“ übernommen wurde. Seither produziert das Werk unter dem Namen „Flender-Guß GmbH“. Hier im Werk Wittgensdorf wurde die Gußerzeugung von diversen deutschen Standorten konzentriert. Die heutige Werkbahn der Flender-Gießerei geht hervor aus den Anlagen der Harlaß-Gießerei. Die eigene Anschlußbahn ging 1981 mitsamt Lokomotiven und Personal auf den VEB Minol über, mit dem eine Anschlußbahngemeinschaft gebildet wurde. Die Gießerei erhielt im Empfang Formsand, Hilfsstoffe, Kohle- und Öltransporte für das Heizwerk, während die fertigen Gußstücke das Werk überwiegend auf der Schiene verließen. Seit 1996 wird das heutige Flenderwerk noch gelegentlich von der DB bedient, nachdem die Anschlußbahn mit eigener Betriebsführung im Tanklager stillgelegt wurde.

QUELLE

Mauerpark vs Todestreifen:

Marie und ich mit Johnny und Daniel und Freunden auf dem ehemaligen Todesstreifen, biertrinkend, Karaoke zuschauend, trödelkaufend (zB original DDR-Schilder und Pins)

September 2010

Damals Todesstreifen: http://de.wikipedia.org/wiki/Mauerpark

DDR-GEFÄNGNIS HOHENECK vom 13.10.2011
Hotel „Zum Stasiknast“
Wie ein Investor das DDR-Gefängnis Hoheneck zum Feriendomizil umbauen wollte – „Jailhouse-Feeling“ inklusive

http://www.sueddeutsche.de/leben/zwangsadoption-in-der-ddr-wir-sehen-uns-heute-abend-wieder-1.1145079

http://www.freitag.de/kultur/1140-mehr-licht-genossen

http://www.freitag.de/politik/1140-selbst-als-linker-kann-man-in-der-bundesrepublik-leben

http://www.freitag.de/community/blogs/ft13/ein-artikel-nicht-ueber-steve-jobs

„Die absolute Hölle“ – einestages

http://www.ddr-ausreise.de/1756881.htm

„Quo Vadis“ (ein Trabant auf Beinen) von David Černý, Deutsche Botschaft Prag

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Botschaft_Prag

Genscher am Balkon: 30. September 1989

Alle Artikel mit Schlagwort DDR

Im Cadillac in den Westen
Die Stasi wollte Jürgen May ruhig stellen. Doch der Sportler des Jahres riskierte alles. Als einer von 600 Leistungssportlern flüchtete er aus der DDR.

Aufregende persönliche Flucht-Story

„Ich sagte, ich trete in den Hungerstreik“
Die Künstlerin Cornelia Schleime über ihre Ausreise aus der DDR, die Werke, die sie dort lassen musste, und jene, die sie mitnahm.

Persönliche Ausreise-Story einer Künstlerin
systematische Zerstörung einer Liebes-Beziehung
Telefonabhörung

„Gehen oder bleiben?“ als verfilmte Frage
Der Regisseur Robert Thalheim vermeidet in seinem neuen Film über eine Flucht aus der DDR Klischees. Er fragt, wie tief Politik in das persönliche Entscheiden eindringt.

Über die DDR gibt es Komödien, die FDJ-Hemden und andere Accessoires ausstellen. Oder es gibt Unterdrückungsdramen, die uns glauben machen wollen, dass die ganze DDR ein einziges Arbeitslager war. Die Menschen, mit denen ich über die DDR spreche, sagen etwas anderes: Die Wahrheit lag zwischen beiden Extremen. Sie sagen, dass es auch Freiheiten gab und nicht jeder von der Stasi überwacht wurde. Und sie sagen, dass nicht jeder, der nicht geflüchtet ist, automatisch linientreu gewesen sein muss. Ich finde, in Filmen lässt sich diese Differenzierung durchaus darstellen.

Wir, die stumme Generation
Was haben unsere Eltern in der DDR gemacht? Es wird Zeit, dass wir sie danach fragen.

Mein Projekt ist die Antwort auf seine Forderung…

Exposé zur Abschlussarbeit von Nils Knoblich
2. Mai 2011

Problemstellung:
In meiner praktischen Arbeit möchte ich mich biografisch mit den Erlebnissen meiner Eltern beschäftigen, als
sie 1988 als junge Familie entschieden aus der DDR auszureisen. Aus den gesammelten Geschichten soll ein
Comic-Roman entstehen.

Hintergrund:
Meine Eltern entschieden sich 1988 aus der DDR auszureisen. Zu diesem Zeitpunkt war ich 4 Jahre alt, meine
Schwester 2 Jahre, meine Eltern waren 22 (Mutter) und 29 (Vater) Jahre alt. Im diktatorischen Überwachungsstaat DDR war eine freie Meinungsbildung nicht vorgesehen. Von der Antragsstellung bis zum eigentlichen Ausreisetermin sollte 1 Jahr vergehen. Die Zeit vor und während der Antragsstellung war für meine
Familie eine sehr schwierige Zeit. Zunächst hatten meine Eltern mit der Entscheidung zu kämpfen die DDR
und damit ihre Heimat und Eltern zurückzulassen, ohne konkrete Aussicht sie jemals wieder zusehen. Nach
der Antragsstellung wurden meine Eltern dann als sogenannte „Ausreisewillige“ mit den regime-üblichen
Schikanen terrorisiert.
Bekannte Schikanen durch das MfS waren im Allgemeinen:
– der Verlust der Arbeitsstelle und die Verhinderung von Bildungschancen
– soziale und kriminalisierende Schikanen, Verhaftung unter Vorwand
– Einziehung von Personalausweisen und/oder Führerschein
– sog. Zersetzung als psychologisches Unterdrückungs- und Verfolgungsinstrument
– Manipulation von Freundschafts-, Liebes-, Ehe- und Familienbeziehungen, systematische Entfremdung von
Eltern und Kindern
Ich erinnere mich wie meine Eltern mir hin und wieder nach der Wendezeit von ähnlichen Schikanen und
Ängsten erzählten. Solche Erlebnisse und den gesellschaftlichen und psychologischen Druck dem meine
jungen Eltern ausgesetzt waren, möchte ich biografisch innerhalb meiner Familie und deren Freundeskreis
recherchieren. Von diesen Eindrücken und Geschichten soll meine Comic-Erzählung berichten.

Kenntnisstand und Motivation:
Mit meinem Comic möchte ich zur Aufarbeitung der jungen deutsch-deutschen Geschichte Beitragen. Meiner
Meinung nach hat eine Aufarbeitung nur unzureichend stattgefunden. Vor allem im kulturellen Bereich sind
Werke nötig, die sich mit der notwendigen Tiefenschärfe mit der DDR-Vergangenheit und vor allem den
Methoden der Zersetzung intensiv auseinandersetzen. Im Film fand eine Aufarbeitung auf eine zum Teil
karikaturenhafte oder oberflächliche Weise statt (‚Goodbye Lenin‘, ‚Sonnenallee‘). Ein Gegenbeispiel ist ‚Das
Leben der Anderen‘.
Im Comic sehe ich die große Stärke den gesellschaftlichen und psychischen Terror auf die Bevölkerung auf
eine möglichst emphatisch nachvollziehbare Weise darzustellen. Mein Anliegen ist vor allem einem westdeutschen
erwachsenen Publikum auf diese Schikanen, von denen in der Gesellschaft/ den Medien
exemplarisch und konkret kaum berichtet wird, aufmerksam zu machen.

Bisher gibt es nur 4 Comics die sich mit der DDR auseinandersetzen:
„Grenzgebiete“ von Claire Lenkova: Sachcomic der zeitgeschichtliches Interesse junger Leser wecken
möchte.
„Da war mal was …“ von Flix: Damalige Kinder und Jugendliche erinnern sich an Eindrücke von der
deutschen Teilung.
„Drüben!“ von Simon Schwartz: Kindheitseindrücke des Erzählers sowie die Geschichte seiner Eltern
und deren Ausreise in die BRD.
„Grenzfall“ von Thomas Henseler und Susanne Buddenberg: die Geschichte eines jungen
Erwachsenen der um 1982 zum Aktionisten wird.

Einer dieser Comics wirkt etwas zu pädagogisch, bei dem anderen überwiegen anekdotische Gag-Cartoons.
Lediglich „Drüben!“ setzt sich einfühlsam und ernsthaft mit den Themen Unterdrückung und Zersetzung
auseinander. Aber genauso wie in „Grenzfall“ erzählt „Drüben!“ in einer sehr textlastigen Sprache die
vielmehr Textblöcke mit Erlebnisberichten aus der Ich-Perspektive bebildert als mit den Stärken des Comic als
visuelles und dialogisches Medium zu spielen.
Abb. links: Auszug aus „Da war mal was …“ von Flix, rechts: „Grenzfall“ von Henseler und Buddenberg
Mein Ziel ist nicht einen persönlichen Gesamtabriss der Geschichte meiner Eltern in den 80iger Jahren
abzuliefern, sondern eine Sammlung von konkret erlebten Szenen anzufertigen, die den staatlichen Terror und
dessen Auswirkungen auf Einzelschicksale möglichst intensiv verbildlichen sollen. Der Leser soll in die häufig
bedrückenden, zum Teil traumatischen Situationen hineingeworfen werden und die Lebensumstände
nachvollziehbar erfahren können. Er soll nicht wie ein Zuhörer alter Anekdoten aus vergangener Zeit erzählt
von Tante Erna behandelt werden.
Desweiteren möchte ich mit meinem Projekt die sogenannte Ostalgie und Geschichtsvergessenheit des
wiedervereinigten Deutschlands in Frage stellen. Allerdings ist es mir zudem wichtig anhand der DDRSzenen,
die möglichst ohne DDR-spezifische Nostalgie-Details wie z.B bestimmte DDR-Produkte oder Begriffe
auskommen sollen, den Leser auf parallele politischen Tendenzen, die zur Zeit in einigen Gesellschaften (z.B.
China, Weißrussland, Arabische Länder) stattfinden, aufmerksam zu machen: Lebensumstände die denen der
DDR-Bürger sehr ähnlich sind (Einschränkung der Meinungsfreiheit, Presse und Kunst etc.), doch wir uns
selten in den Alltag betroffener Menschen hineinversetzen können.

Methode:
Zum Zusammentragen der relevanten Szenen möchte ich Interviews mit meinen Eltern sowie weiteren
Familienmitgliedern führen. Dazu gehört z.B. mein Onkel, der 2 Jahre vor uns aus der DDR ausgereist ist,
ebenso die Eltern meines Vaters, die 1 Jahr vor uns in den Westen ausreisten. Anhand der aus erster Hand
geschilderten Erlebnisse, möchte ich die stärksten Szenen auswählen und in Comicform von den Erfahrungen
mit der Zersetzung berichten. Abhängig vom Material werde ich eine Auswahl von Hauptcharakteren treffen
oder gegebenenfalls zwei bis drei fiktive Charakter, die an meine Familie angelehnt sind (Alter-Egos)
entwickeln und die Erlebnisse wieder-erleben. Zudem möchte ich meine eigenen Erinnerungen an
Geschichten, die mir meine Eltern nach der Wende als Kind erzählt haben, sammeln sowie meine Schwester
befragen, an welche Erzählungen sie sich erninnern kann. Daraufhin lassen sich verschiedene
Erzählperspektiven, Blickwinkel und persönliche Gefühle vergleichen und auswerten.

Theorieteil:
Im theoretischen Teil meiner Abschlussarbeit möchte ich die beiden Schwerpunkte meines Studiums
verknüpfen und die beiden Medien Comic und Trickfilm/ Animationsfilm miteinander vergleichen. Die
verschiedenen Methoden der Narration von Comic und Trickfilm sollen anhand von Filmbeispielen, bei denen
Trickfilmadaptionen von Comicvorlagen umgesetzt wurden, untersucht werden.

Mögliche Filmbeispiele sind:

Animationsfilme:
– Persepolis
– Die Katze des Rabiners (Le chat du rabin)
– Peur(s) du Noir
– Coraline
Realfilme:
– Sin City
– Oldboy
– Ghost World
– Immer Drama um Tamara (Tamara Drewe)
– Gwendoline
– History of Violence
– Road to Perdition
– The Crow
– American Splendor
vom Film zum Comic:
– Waltz With Bashir

Mit der theoretischen Arbeit möchte ich mich intensiv mit den narrativen/ visuellen Werkzeugen der beiden
Ausdrucksformen, mit denen ich während meines Studiums schwerpunktmäßig gearbeitet habe, beschäftigen.
Von den Erkenntnissen soll zum Einen meine praktische Abschlussarbeit im Entstehungsprozess profitieren.
Zum Anderen möchte ich wertvolles Know-How für meine angestrebten Tätigkeitsfelder Comicautor und
Animationsfilmregisseur gewinnen. Vorstellbare zukünftige Projekte sind für mich einerseits die Erfindung
von eigenen Erzählungen in Comicform als Trickfilmvorlage, andererseits die Adaption und Realisation von
Comicerzählungen anderer Künstler in meiner Rolle als Trickfilmregisseur.

Zeitplan:

August:
– Interviews mit Familienangehörigen/ Sammeln der Geschichten
– Recherche-Start für theoretischen Teil der Abschluss-Arbeit

September:
– Revision: Ordnen, vergleichen und bewerten der Geschichten
– Auswahl und Entwerfen von ersten Szenen (Storyboarding)
– Bewerten nach dramaturgischen und inhaltlichen Stärken

Oktober:
– Exemplarische Umsetzung: visuelle Arbeit mit ersten Szenen
– Testen und Proben von visueller Sprache und Textebene

November:
– Arbeit an Struktur/ Plot für Comicbuch
– Storyboarding der Szenen

Dezember bis Februar:
– Umsetzung

März:
– Buch Layout, Druck (?) der Ansichtsexemplare
– Vorbereitung der Abschlusspräsentation